Religionslehre (evangelisch)

Aufgaben und Ziele der evangelischen Religionslehre

In Absprache mit der Lehrerkonferenz und unter Berücksichtigung des Schulprogramms sowie des Methodencurriculums hat die Fachkonferenz ER die folgenden fachmethodischen und fachdidaktischen Grundsätze beschlossen. 

Im Religionsunterreicht der Sek I und II fragen wir nach Sinn und Leben, nach Gott und Religion, denken über Werte und Normen in unserer Zeit nach, beschäftigen uns mit Leben und Botschaft Jesu und prüfen, inwieweit wir uns an seinem Vorbild ausrichten wollen, suchen wir nach Maßstäben und Zielen für unsere Lebensgestaltung und überlegen wir, wie sich ethisch-moralische Kompetenz in gesellschaftlichen Zusammenhängen auswirkt. Dies alles tun wir unter Berücksichtigung der durch den Kernlehrplan vorgegebenen Kompetenzerwartungen und entsprechend der im Schulprogramm niedergelegten Grundsätze unserer pädagogischen Arbeit.

Fachliche Grundsätze:

  • Die fachliche Auseinandersetzung im ER wird grundsätzlich so angelegt, dass die theologischen Inhalte immer in ihrer Verschränkung und wechselseitigen Erschließung zu den Erfahrungen der Menschen bzw. der Schülerinnen und Schüler sowie konkurrierender Deutungen thematisiert werden.
  • Der Ausgangspunkt des Lernens ist in der Regel eine lebensnahe Anforderungssituation oder es sind die Erfahrungen und Einschätzungen der Schülerinnen und Schüler zu einem fachspezifischen Problem oder einer fachlich bedeutsamen Frage.
  • Es kommen im ER grundsätzlich je nach Zielsetzung, Fragestellung und Thematik unterschiedliche religionsdidaktische Paradigmen (traditionserschließend, problemorientiert, symboldidaktisch, performativ) zum Tragen. Dabei entscheiden die Lehrkräfte in eigener Verantwortung, in welchen Zusammenhängen sie welches religionsdidaktische Paradigma als Zugang und Strukturierungsinstrument wählen.
  • Im ER wird den Möglichkeiten originaler Begegnungen besonderes Gewicht beigemessen, da sich auf diese Weise religiöse Lernprozesse anregen lassen, die anderweitig nicht induziert werden können. Daher gehören Exkursionen, der Besuch außerschulischer Lernorte (Hospiz, ev. / kath. Kirche, Moschee, Synagoge) sowie die Einladung von Experten in den Unterricht zu selbstverständlichen und unverzichtbaren Gestaltungselementen des ER.
  • Die Fachkonferenz Ev. Religionslehre hat sich darauf geeinigt, den Kompetenzzuwachs im Laufe des Schuljahres durch geeignete Aufgaben zu überprüfen.

   

Geeignete Aufgaben

  • dienen der Rechenschaftslegung über das Erreichen von Kompetenzerwartungen (sequenzübergreifend) im Sinne der Evaluation des Unterrichts und seines Ertrages und haben damit vorrangig diagnostischen Charakter im Blick auf den Unterricht.
  • umfassen Kompetenzerwartungen aus mehreren Inhaltsfeldern bzw. inhaltlichen Schwerpunkten und übergeordneten Kompetenzerwartungen.
  • haben einen plausiblen Lebensweltbezug und sind von Authentizität gekennzeichnet.
  • sind so gestaltet, dass die Schüler/innen eigene Lösungswege entwickeln können.
  • zielen auf Transfer und Anwendung.
  • zielen auf Kreativität und Handlungsorientierung.
  • unterscheiden sich aufgrund ihres Formats und ihrer vorrangigen Ausrichtung von traditionellen Lernerfolgskontrollen, können aber Bestandteil der „Sonstigen Leistungen im Unterricht" und Bestandteil eines Portfolios sein, dieses aber nicht ersetzen.

   

Inhalte der evangelischen Religionslehre    

Kompetenzen sind immer an fachliche Inhalte gebunden.  Die religiöse Bildung aus evangelischer Perspektive soll deshalb mit Blick auf die nachfolgenden Inhaltsfelder bis zum Ende der Sekundarstufe I erworben werden. 

Inhaltsfeld 1: 

Menschliches Handeln in Freiheit und Verantwortung 

In diesem Inhaltsfeld geht es um die Auseinandersetzung mit einem christlichen Bild vom Menschen, der in Beziehungen zu seinen Mitmenschen lebt und Mitgestalter der Welt ist.  Gegenstände dieses Inhaltsfeldes sind Motive, Aufgaben, Chancen und Grenzen von verantwortlichem Handeln gegenüber den Mitmenschen und der Welt aus biblisch-christlicher Perspektive.  Dabei wird der Mensch als Mitgestalter im andauernden Schöpfungshandeln Gottes verstanden, das wesentlich auf Gerechtigkeit, Menschenwürde, Freiheit und die Verantwortung in der Schöpfung zielt.

 Inhaltsfeld 2: 

Die Frage nach Gott 

In diesem Inhaltsfeld geht es um die Auseinandersetzung mit Gottesvorstellungen und damit verknüpften Menschenbildern, wobei die Gottesfrage den Ausgangspunkt bildet.  Grundlage dieser Frage ist die Auseinandersetzung mit der Erfahrung, dass der Mensch sich in der Welt vorfindet und sich vor die Aufgabe gestellt sieht, seinen Platz in der Welt und seine eigene Identität zu suchen. Dazu setzen sich die Schülerinnen und Schüler insbesondere mit einer Gottesvorstellung auseinander, die in reformatorischer Tradition das gnädige und befreiende Handeln Gottes am Menschen sowie die Unverfügbarkeit Gottes betont. 

Inhaltsfeld 3: 

Jesus, der Christus 

In diesem Inhaltsfeld geht es um Zuspruch und Anspruch der Person und der Botschaft Jesu Christi. Dabei wird Jesus von Nazareth in seiner jüdischen Tradition und im Bekenntnis der Christinnen und Christen zu ihm als dem Christus in den Blick genommen. Der Mensch hat die Aufgabe, sich in seinem Leben zu orientieren und tragfähige   Gründe   für   die   eigene  Lebensgestaltung   zu   finden.   Leitend   in   der   Auseinandersetzung mit Jesus, dem Christus ist die christliche Antwort auf die Frage, worin Menschen ihr Leben verwurzeln können. Vor diesem Hintergrund werden Perspektiven für die Orientierung in einer sich wandelnden pluralen Gesellschaft eröffnet. 

Inhaltsfeld 4: 

Kirche und andere Formen religiöser Gemeinschaft  

In diesem Inhaltsfeld wird aufgegriffen, dass Menschen nach christlichem Verständnis in Beziehung zu Gott leben und dies von Beginn an in Gemeinschaft tun. Dabei begegnen sie vielfältigen institutionellen Angeboten, die ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Geborgenheit und gemeinschaftlicher Ausübung ihres Glaubens aufnehmen.  In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass Religion nicht nur Privatsache ist, sondern sich immer auch in Gemeinschaft und in Institutionen konkretisiert.  Diese haben sich in ihren Formen und Angeboten - auch in totalitären Umgebungen - historisch entwickelt und entwickeln sich in Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Umfeld weiter. Im Fokus des Inhaltsfeldes stehen insbesondere die Begegnung und Erschließung des evangelischen Verständnisses von Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden. 

Inhaltsfeld 5: 

Zugänge zur Bibel

In diesem Inhaltsfeld geht es um die Erfahrung, dass man in der Auseinandersetzung mit der christlichen Überlieferung immer wieder auf biblische Texte verwiesen ist, die mit alltäglichen Lesegewohnheiten nicht ohne Weiteres erschließbar sind. Ein Dialog mit dem christlichen Glauben setzt eine bewusste Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift voraus, insbesondere in der evangelischen Tradition des Schriftprinzips.  Gegenstände in diesem Inhaltsfeld sind die vielfältigen biblischen Schriften in ihrer Geschichte, ihrer Zusammensetzung, ihrer inneren und äußeren Gestalt, ihrer Zusammenstellung und ihren besonderen Sprachformen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass sich in den Büchern des Alten und Neuen Testaments menschliche Glaubenserfahrungen und Wirklichkeiten vieler Generationen bündeln, geht es in dem Inhaltsfeld um den reflektierten Umgang mit diesem theologischen und historischen Werk und seinen Orientierungsmöglichkeiten für das heutige Leben. 

Inhaltsfeld 6: 

Religionen und Weltanschauungen im Dialog 

In diesem Inhaltsfeld wird die Erfahrung in der heutigen Gesellschaft aufgenommen, in der globalen und pluralen Welt Menschen zu begegnen, die anderen Religionen, Weltanschauungen, Wirklichkeitsdeutungen, Wahrheitsansprüchen und ethischen Orientierungen folgen.  Daher wird in diesem Inhaltsfeld aus der Perspektive des christlichen Glaubens evangelischer Prägung danach gefragt, was andere Religionen und Weltanschauungen kennzeichnet und wie diese das Leben von Menschen prägen. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede wahrgenommen, die positive wie negative Prägekraft von Religionen und Weltanschauungen betrachtet und Chancen einer respektvollen Auseinandersetzung fokussiert. 

Inhaltsfeld 7: 

Religion in Alltag und Kultur

In diesem Inhaltsfeld geht es um die Erfahrung, dass Menschen vielfältigen religiösen Phänomenen in ihrer Alltagskultur begegnen, die es aufzuspüren, wahrzunehmen und in ihrer Bedeutung zu erkennen gilt.  Gegenstände dieses Inhaltsfeldes sind Formen und Erscheinungsweisen des Religiösen in ihrer Wechselwirkung mit gesellschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten.  Mit der Unterscheidung von religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten der Lebenswelt lassen sich deren wechselseitige Einflüsse wahrnehmen und die Auswirkungen auf das eigene Leben und das Zusammenleben in der Gemeinschaft beurteilen.

Link: https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplan/201/g9_er_klp_%203414_2019_06_23.pdf

 

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