Religionslehre (katholisch)

 "Der Glaube kommt vor Hören" - Mit dem einfachen Titel beschreibt der Fundamentaltheologe Peter Knauer in seinem Buch, dass der Glaube selten wie ein Stern vom Himmel fällt. Doch was ist, wenn Kinder nichts mehr hören? Wenn Eltern nicht mehr mit ihren Kindern beten, die Großeltern nicht mehr von ihrem Glauben erzählen und ihn vorleben, wenn junge Menschen zuletzt im Kommunionunterricht etwas vom Glauben gehört haben? Bis auf Weihnachten und Ostern kennen viele nur selten den Inhalt der anderen kirchlichen Feiertage wie Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam, Allerheiligen ...). F e i e r tage sind zu  f r e i e n Tagen geworden. Eine Umfrage in zwei Oberstufenkursen zeigte, dass der Glaube als "Privatsache" verstanden wird, die keinen etwas angeht, nicht zuletzt, weil viele Menschen die Kirche und ihre moralischen Forderungen altmodisch und "out" empfinden. Oftmals findet man heute eine Art "Patchwork"- Glauben, weil viele Menschen sich das aus dem christlichen Glauben, den übrigen Religionen und einigen Sekten heraussuchen, was in ihre eigenen Vorstellungen passt.  

 

Warum Katholische Religionslehre?

Im Fach Katholische Religionslehre erwartet unsere Schülerinnen und Schüler ein vielseitiger Lernprozess anhand von lebendigen und schülernahen Inhalten. Sie treten in einen Glaubensdialog und fördern auf der Basis des reflektierten Dialogs ihre kulturelle Bildung. Ausgegangen wird dabei von der christlichen Überlieferung, durch die ein religiöser Zugang zur Wirklichkeit erschlossen wird und durch keine andere Dimension der Welterfahrung ersetzbar ist. Der erarbeitete Horizont liefert dann die tragfähigen Lebensperspektiven christlicher Wurzeln unserer abendländischen Kultur und schlägt die Brücke in die Grundlagen des modernen Europas.

Im Bildungsangebot einer offenen und vielstimmigen Gesellschaft verwirklicht der katholische Religionsunterricht einen kirchlichen Dienst und schöpft sein Selbstverständnis aus seiner verfassungsrechtlichen Verankerung als ordentliches Lehrfach. Darüber hinaus fördert er die gesprächsfähige Identität und auf Überzeugung beruhende Toleranz am Lebens- und Lernort Schule. Unsere Schülerinnen und Schüler erhalten in der Auseinandersetzung mit christlichen Positionen die Möglichkeit den eigenen Standpunkt zu reflektieren. Diese Reflektion ermöglicht nicht nur dem gläubigen jungen Menschen eine Vertiefung der persönlichen Glaubensidentität, sondern bietet auch dem Glauben fernstehenden jungen Menschen die Option den eigenen Standpunkt in der Auseinandersetzung mit christlichen Positionen zu überdenken. Der Glaube kann dabei das Gespür für die Lebensbedeutsamkeit religiöser Fragen wecken.

Der katholische Religionsunterricht unterstützt somit die geistig-religiöse und soziale Entwicklung junger Menschen, indem der überlieferte Glaube in eine vielschichtige Beziehung zur Gegenwart gesetzt wird. Die Lernprozesse stammen aus der Lebens- und Erfahrungswelt unserer Schülerinnen und Schüler. Christlicher Glaube wird grundsätzlich erschlossen, vertieft oder auch neu mit dem persönlichen Lebenshintergrund verbunden. Der katholische Religionsunterricht richtet sich dabei an die religiösen Kompetenzen, die unter Punkt C aufgeführt werden. Ausgangspunkt bleibt die bildende Kraft des Evangeliums und die Orientierung an der kirchlichen Verkündigung. Aber auch fächerübergreifende Kompetenzen der sozialen, politischen und religiösen Entwicklung werden an das religiöse Lernen gekoppelt. Er sensibilisiert für soziale Verantwortung und weckt den Gestaltungsmut an der demokratischen Gesellschaft; er nimmt unterschiedliche Geschlechterperspektiven ein und fördert die nachhaltige Entwicklung und Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, Nicht zuletzt fördert er dadurch die kulturelle Mitgestaltung und das interkulturelle Verständnis.  

In seinem Bildungsauftrag wird der Religionsunterricht durch religiöse Pluralität und Individualisierung herausgefordert. Religiöse Pluralität meint dabei nicht nur das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen, nicht nur die Differenzierungen innerhalb des Christentums, sondern zeigt sich auch in der jeweils individuellen Verbindung unterschiedlicher, mitunter widersprüchlicher religiöser und säkularer Vorstellungen und Praktiken. Religion gerät angesichts von „Gleich-Gültigkeit“ und Beliebigkeit zunehmend zu einer subjektiven Angelegenheit. Darüber hinaus hat eine wachsende Zahl der Kinder und Jugendlichen, die am Religionsunterricht teilnehmen, kaum noch Kontakt zu Formen des gelebten Glaubens. Im Religionsunterricht kann nicht selbstverständlich auf religiöse Vorerfahrungen aus Familie, Kirchengemeinde oder Jugendgruppe zurückgegriffen werden. Für immer mehr Schülerinnen und Schüler ist der schulische Religionsunterricht der wichtigste und oft einzige Ort der Begegnung mit dem christlichen Glauben und der Kirche. Er steht also vor der Aufgabe, den Bereich von Religion und Glauben nachvollziehbar und begreifbar zu machen. Obwohl der schulische Religionsunterricht von Katechese in der Kirchengemeinde grundsätzlich zu unterscheiden ist, gehört nach katholischem Verständnis im katholischen Religionsunterricht die konfessionelle Bindung von Lehre, Lernenden und Lehrenden im Grundsatz zusammen.

(Auszug: Zur Konfessionalität des Religionsunterrichts und zur Teilnahme nicht-katholischer Schülerinnen und Schüler siehe Nr. 5 des RdErl. "Religionsunterricht an Schulen" – BASS 12 – 05 Nr. 1)

 

Aufgaben und Ziele der katholischen Religionslehre

Der Religionsunterricht an unserer Schule legt großen Wert auf die Achtung der Würde eines jeden Einzelnen als von Gott geliebten Menschen und ist angelegt auf die Verweichlichung der Bestimmung des Menschen zu einer von Gott gewollten Freiheit, dass er selbst in der Zuwendung und Selbstmitteilung in der Geschichte mit seinem Volk und in Jesus Christus offenbart hat. Jesus selbst bezeugt durch sein Leben, seine Verkündigung und zuletzt durch seinen Tod und seine Auferstehung; den Kerngedanken christlichen Glaubens! 

Die Fachschaft Religion des St.-Michael-Gymnasiums sieht sich im Kontext der sich zeitgenössisch veränderten religiösen Situation als Ansprechpartner in Glaubens- und Lebensfragen. Wir wollen nicht allein fachlich fundiertes Wissen vermitteln, sondern darüber hinaus die Botschaft des Glaubens glaubwürdig vertreten. Neben der Reflektion von Religion und Religiosität entsprechend der Bezugswissenschaft Katholische Theologie und dem Glauben der Kirche, bietet das Fach Raum für die Entwicklung einer Fragehaltung und Platz für religiöse Begegnungen und christlicher Praxis im Kontext schülerindividueller Fragen und Erfahrungen: So soll der Glaube von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachvollziehbar werden und das eigene Leben im Licht des Glaubens verstehbar werden.   

Religionsunterricht fordert heraus! Und infolgedessen gelingt dann eine zunehmend selbstständige und verantwortbare Urteilsfindung in religiösen Fragen und Urteilen – unabhängig von relativistischer Beliebigkeit und frei von fundamentalistischer Engführung.

 

Inhalte der katholischen Religionslehre    

Der Kernlehrplan teilt die zentralen Inhalte in sechs Inhaltsfelder ein:   

Inhaltsfeld 1: Menschsein in Freiheit und Verantwortung 

Das 1. Inhaltsfeld behandelt verschiedene Aspekte des Menschseins: das christliche Menschenbild, den Menschen als Mitglied in der Gemeinschaft, seine Freiheit und Verantwortung, seine Schuldhaftigkeit und sein Versagen, aber auch die christliche Hoffnung auf Vergebung und Neuanfang. Darüber hinaus beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit ethischen Themen, die den Menschen betreffen, wie Sterbehilfe, Abtreibung, Todesstrafe und den Umgang mit behinderten Menschen.

Inhaltsfeld 2: Sprechen von Gott

Im 2. Inhaltsfeld geht es um die Erzählungen des Alten Testaments, in denen es um den Gott Israels und den Erfahrungen der Menschen geht. Ebenso wichtig sind hier aber auch persönliche Erfahrungen mit Gott, ein Blick auf die unterschiedlichen Gottesbilder, die Möglichkeiten und Grenzen des Redens von Gott. Zentral ist hier die Behandlung der Theodizeefrage (Wie kann Gott als Allmächtiger das Leid in der Welt zulassen?)                                                                               

Inhaltsfeld 3: Bibel  als "Ur-kunde" des Glaubens an Gott 

Das 3. Inhaltsfeld beschäftigt sich mit der Bibel als zentralem Dokument des jüdisch-christlichen Glaubens.  Im Vordergrund stehen dabei die Entstehung und der Aufbau der Bibel, ihre unterschiedlichen Bücher, der Umgang mit biblischen Texten und seine Bedeutung früher und heute.    

Inhaltsfeld 4: Jesus der Christus 

Im 4. Inhaltsfeld liegt der Schwerpunkt auf Jesus, dem Christus. Zum einen geht es um sein Leben und die in der Bibel beschriebenen Geschichten. Tiefer beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem richtigen Umgang mit Jesu Wundern und seinen Gleichnissen, die Jesus verwendet, um den Menschen das Reich Gottes nahe zu bringen. Im Mittelpunkt steht Jesu Leiden und Tod, die eng mit der Auferweckung/Auferstehung Jesu verbunden sind.

Inhaltsfeld 5: Kirche als Nachfolgegemeinschaft

Das 5. Inhaltsfeld beschäftigt sich mit der Kirche, die die Nachfolge Jesu Christi angetreten hat. Dabei geht es um das Selbstverständnis der Kirche, ihr Aufgaben, ihre konkreten Lebensvollzüge (Gottesdienst, Sakramente, Gebet) und ihr Verhalten im Lauf der Geschichte. Exemplarisch werden zentrale geschichtliche Ereignisse angesprochen. Dazu gehört ebenso die kritische Betrachtung der Kirche, ihre Möglichkeiten und ihre Grenzen.

Inhaltsfeld 6: Weltreligionen und andere Wege der Sinn - und Heilssuche

Im 6. Inhaltfeld ist der Blick auf die anderen Weltreligionen, ihre Entstehung und ihre religiösen Überzeugungen gerichtet. Dabei steht die Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zum Christen im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, in einen „interreligiösen Dialog" mit den anderen Religionen zu treten. Darüber hinaus sollen sie im Blick auf zeitgenössischen Weltanschauungen (z.B.Sekten ) sensibilisiert werden.

 

Katholische Religionslehre am MGM

Katholische Religionslehre wird am MGM ab der fünften Klasse jeweils zwei Stunden in der Woche angeboten. Mit dem Erreichen des 14. Lebensjahres wird der junge Mensch religionsmündig und bestimmt, ob er weiter am Religionsunterricht teilnehmen möchte oder alternativ zum Fach Praktische Philosophie wechselt. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen diese Möglichkeit des Wechsels, kehren aber mit dem Eintritt in die gymnasiale Oberstufe wieder zurück zum Religionsunterricht. Die folgende Tabelle ermöglicht einen Überblick über die Stundenverteilung pro Woche, Anzahl der Klassenarbeiten pro Schuljahr und den Inhalt/Aufbau der einzelnen Phasen.

 

Links

http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/

 

 

 

 

 

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