Psychologie

Unser jüngstes Fach in der Sekundarstufe II

Irrglauben

Ein Psychologiestudium befähigt weder zum Gedankenlesen noch besteht es aus psychotherapeutischen Gruppenveranstaltungen. Genauso hartnäckig hält sich das Gerücht, es gäbe einen intelligenztestunabhängigen allgemeinen IQ-Wert, der sich so eindeutig messen ließe wie die Körpergröße in Zentimetern. Auch bei der in der Öffentlichkeit häufig anzutreffenden Gleichsetzung von Psychologie und Psychoanalyse handelt es sich ebenso um einen populären Irrtum wie bei der Verwechslung von Psychiater und Psychologe.

Empirische Wissenschaft

Die Psychologie ist ein streng wissenschaftliches Fach, nämlich die empirische Wissenschaft vom Verhalten und Erleben des Menschen, seiner Entwicklung im Laufe des Lebens und allen dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen. Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Wissenschaften ist hierbei, dass wir selbst Gegenstand dieser Wissenschaft sind. Entgegen ihrem Bild und dem Verständnis in der Öffentlichkeit, ist die in den akademischen Institutionen betriebene und gelehrte Psychologie eine streng empirische Wissenschaft, die Theorien aufstellt und daraus abgeleitete Modelle und Hypothesen mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden experimentell überprüft. Die Methodik ist überwiegend naturwissenschaftlich, das heißt, die Mathematik, insbesondere die Statistik, stellt eines der wichtigsten Werkzeuge der Psychologen dar.

Praktische Anwendung

Es macht nicht zuletzt den Reiz des Faches aus, dass der Psychologie-Lernende zusammen mit den fachlichen Inhalten immer auch Neues über sich selbst und sein soziales Umfeld herausfindet. Zudem werden psychologische Grundkenntnisse vermittelt, die sowohl für das Privatleben als auch für die Arbeitswelt sinnvoll und nützlich sind. Das Schulfach Psychologie vermittelt Basisqualifikationen für Studium und Beruf, da in fast keinem Arbeitsfeld mehr auf Wissen über psychologische Zusammenhänge verzichtet werden kann.

Wie geht der Psychologe vor?

Der Psychologe interessiert sich grundsätzlich dafür, einen psychologischen Sachverhalt, z.B. das Phänomen der Angst, zu beobachten (Wie verhält sich ein ängstlicher Mensch? Was fühlt er? Was geht ihm währenddessen durch den Kopf?), es mithilfe eines Modells zu erklären (Angst wurde in der Kindheit gelernt; Angst als Folge einer extremen Situation) und dadurch zukünftiges Verhalten vorherzusagen und vor allem zu verändern (Therapie der Angst).

Dabei existiert eine Vielzahl von Erklärungsmodellen, die jeweils einen anderen Blickwinkel auf das psychologische Phänomen haben. So könnte man die Angst einer Person vor Spinnen sowohl als gelerntes Verhalten (Behaviourismus), als Resultat einer hormonellen oder vegetativen Veranlagung (Biopsychologie) oder als verdrängten Kindheitskonflikt (Tiefenpsychologie) verstehen.

Methoden des Schulfaches

In der Schule zeichnet sich das Fach Psychologie durch eine Vielfalt an methodischen Vorgehensweisen aus.

Eine wichtige Methode ist dabei die Beobachtung psychologischer Phänomene, die als Selbstbeobachtung auch uns selbst zum Untersuchungsgegenstand macht. Aber auch das, was nicht direkt beobachtbar ist, z.B. das Unbewusste, liegt im Fokus der Psychologie. Das wissenschaftliche Experiment, die Hauptmethode der Psychologie, ist streng orientiert an naturwissenschaftlicher Methodik: Beobachtet werden die Auswirkungen einer speziellen experimentellen Manipulation auf Versuchspersonen, während alle anderen Bedingungen systematisch kontrolliert sind.

Das berühmte Konformitätsexperiment von Asch (1951)

 So kann zum Beispiel nachgewiesen werden, dass Menschen sich in ihren Urteilen stark von einer Gruppe beeinflussen lassen: Das sogenannte Konformitätsexperiment (Asch, 1951) zeigte, wie Gruppenzwang eine Person so stark beeinflussen kann, dass sie eine offensichtlich falsche Aussage als richtig bewertet. So sollte die jeweilige Versuchsperson einschätzen, welche der drei Linien A, B, oder C in ihrer Länge mit einer Referenzlinie übereinstimmte. Während 99,3% der Versuchspersonen die richtige Längenschätzung abgaben (Kontrollgruppe), passten sich in der Experimentalgruppe, in der fingierte Versuchspersonen absichtlich falsche Urteile abgaben, um die Versuchsperson zu beeinflussen, die Versuchspersonen. 37% ihrer Urteile den offensichtlich falschen Urteilen an und gaben somit dem Druck der Gruppe nach.

Geschichte des Faches

Etwa seit Mitte der 70-ziger Jahre gibt es in der BRD Psychologie als Schulfach und die Zahl der Schulen, die es in ihren Fächerkanon aufgenommen haben, steigt. Nichts desto trotz sind es nur etwa 25 Gymnasien und Gesamtschulen, die das Fach in NRW anbieten. Das St. Michael Gymnasium gehört seit 2009 dazu und ist damit die einzige Schule im ganzen Kreis. Das nächste Gymnasium, das Psychologie unterrichtet, liegt in Köln.

Schulfach am MGM

Psychologie wird am MGM als 3-stündiger Grundkurs in der Oberstufe angeboten und kann als 3. schriftliches ebenso wie als 4. mündliches Abiturfach gewählt werden. Unterrichtet wird Psychologie am MGM von Ruth Mainka und Katia Gillessen. Seit Einführung des Faches konnte im ersten Jahr der Oberstufe stets mit zwei vollen Grundkursen gestartet werden, von denen einer bis zum Abitur durchgeführt wird.

Was kommt im Unterricht auf Euch zu?

Das psychologische Experiment wird den Unterricht als die zentrale Methode bis zum Abitur begleiten, d.h. Experimente werden im Unterricht gemeinsam durchgeführt und erlebt, begegnen Euch aber auch in Textform, d.h. sie müssen nachvollzogen, verstanden und analysiert und in der Experimentalreihe in Stufe10.2 auch selber eigenständig geplant, durchgeführt und ausgewertet werden.

Natürlich arbeiten wir auch mit Texten über psychologische Theorien, Modelle und Experimente und vor allem mit Fallstudien, auf die gelernte Theorien angewendet werden müssen. In den Stufen 11 und 12 werden psychologische Testverfahren (Intelligenztests und Persönlichkeitstests) thematisiert und teilweise auch selbstständig durchgeführt und ausgewertet.

Voraussetzung für die Beschäftigung mit dem Fach der Psychologie sind das Interesse an psychologischen Zusammenhängen und einer intensiven Beschäftigung mit dem Menschen, aber auch der Spaß am logisch-methodischen Denken und der intensiven Auseinandersetzung mit vielfältigen komplexen psychologischen Theorien.

Schulinternes Curriculum (Stand: 12.2.11)

10.1

Lernpsychologie:

  • Klassisches und Instrumentelles Konditionieren
  • Beobachtungslernen
  • Anwendung auf Angststörungen (Phobien)

Wahrnehmungspsychologie:

  • Gesetze der Gestaltpsychologie
  • Optische Täuschungen

Personenwahrnehmung und Vorurteile

 

10.2

Attributionstheorien von Erfolg und Misserfolg

Tiefenpsychologie (Sigmund Freud)

Anwendungsorientierte Unterrichtseinheit:

  • Attraktivität und Partnerwahl aus der Sicht der Psychobiologie
  • Durchführung, Auswertung u. Präsentation eines eigenen Experiments

11.1

Sozialpsychologie: Gruppen und Systeme

Einstellung und Einstellungsänderung

Prosoziales Verhalten und Altruismus (Hilfeleistung):

Evolutionspsychologische Modelle

 

11.2

Persönlichkeitstheorien (Messung, abweichende Entwicklung, Therapie):

  • Tiefenpsychologie
  • Behaviorismus
  • Kognitivismus

Psychologische Diagnostik (Persönlichkeits- und Intelligenztests)

 

12.1

Psychische Störungen am Beispiel der Angststörungen (Neurosen):

  • Diagnosesysteme (ICD 10, DSM IV)

Erklärungsansätze und Therapien von Angststörungen

 

12.2

Borderline-Störung und Psychosen


Weiterführende Links:

Informationen zum Psychologie-Studium:

http://www.bv-studenten-bdp.de/studium/studium_inland.html

http://www.psychologie-studium.info/

http://www.psychologie.de/

 

St.-Michael-Gymnasium Monschau

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