Seismik am MGM: Berichte von einer Reise durch das Erdinnere

01. Mai 2015

Als in Nepal die Erde bebte, wurde das auch von den Seismographen im Keller des Monschauer St.-Michael-Gymnasiums registriert. „Solch eine Registrierung war und ist für uns immer auch ein memento mori“, sagt Ulrich Arndt, der im Jahr 1994 den Grundstein für die Seismik-AG gelegt hatte.

Wenn die hochsensiblen Geräte Signale anzeigen, gehe es für die Physiker längst nicht nur um die technische Seite. Stets würden die Gedanken auch zu den Betroffenen schweifen, denen die Erdbeben Leid und Elend bringen. „Das macht immer sehr betroffen“, sagt Arndt.

Die Messungen hätten daher auch eine soziale und politische Komponente, schließlich dienten sie auch der Sensibilisierung im Bereich der Katastrophenvorsorge. Die Fragen, mit denen sich die Arbeitsgemeinschaft beschäftigt, lauten zum Beispiel: Was sind natürliche Ursachen für Erdbeben? Was sind die hauptsächlichen Kennzeichen dieser Naturkatastrophen, denen wir auch in unserer heutigen hoch technisierten Welt immer noch ziemlich hilflos gegenüber stehen?

Mehr als 20 Jahre hat Ulrich Arndt gemeinsam mit Schülern die Erdbeben erforscht. Seit einem Jahr ist der 66-Jährige nun in Pension. Deshalb hat er die Leitung der Seismik-AG jetzt in andere Hände gelegt. Dr. Marc Zöller, der seit Ende 2011 am St.-Michael-Gymnasium Physik und Mathematik unterrichtet, wird die Aufgabe übernehmen. „Ich bin froh über diese Entscheidung. Mein Herz hängt zwar an dieser Sache, aber die Vernunft sagt etwas anderes. Die Aufgabe soll ein Lehrer übernehmen, der hier auch unterrichtet“, erklärt Arndt.

Im Herbst 1994 war es Ulrich Arndt und einigen Schülern im Rahmen einer Projektwoche gelungen, mit einfachen Hilfsmitteln wie Bohrmaschine und Kreissäge einen Seismographen zu bauen. Das nötige Wissen lernte die Gruppe an mehreren Geophysikalischen Instituten an den Universitäten in Stuttgart, Bochum und Köln. Unterstützt wurde die Gruppe insbesondere von Professor Dr. Erhard Wielandt aus Stuttgart, der bis heute der „wissenschaftliche Pate“ des Seismik-Projektes geblieben ist. Im Frühjahr 1995 wurde in Monschau das erste Seismogramm eines Fernbebens aufgezeichnet.

Die Schüler Sebastian Schork, Bernd Naeth und Thomas Poschen setzten die Arbeit fort und nahmen 1996 am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil. Unterstützt wurden sie dabei von ihrem Mitschüler Sascha Erler. Damals wurden sie Landessieger in Nordrhein-Westfalen, und auf Bundesebene erreichten sie im Bereich „Geo- und Raumwissenschaften“ den zweiten Platz.

Sascha Erler und Sebastian Schork waren am Donnerstag auch extra nach Monschau gekommen, um dabei zu sein, als Ulrich Arndt die Leitung des Projektes an Dr. Zöller übergab. Bei einem Besuch der Erdbebenstation wurden dann schnell Erinnerungen an alte Zeiten wach. Schork hatte während des Besuchs auf dem Computer ein Störsignal entdeckt, woraufhin sich Arndt und Zöller gleich auf die Suche nach dem Fehler machten. „Das ist wie eine kleine Zeitreise. Das ist genau wie früher“, stellte Erler fest. Schnell wurden weitere Erinnerungen wach und immer wieder hieß: „Weißt Du noch…“

Sascha Erler lebt heute in der Nähe von Cottbus und arbeitet als Journalist für den RBB. Sebastian Schork lebt in Berlin und arbeitet als Ingenieur. Den Seismographen, mit dem sie an Wettbewerb „Jugend forscht“ teilgenommen haben, hat er immer als sein Gesellenstück betrachtet. Sich wirklich von der Seismik-Gruppe zu verabschieden, ist Schork nie gelungen. „Ohne ihn hätte die Arbeit mit der Station wohl schon längst beendet werden müssen“, sagt Arndt. Die eigentlich nur für die Teilnahme am Wettbewerb entwickelte Software hat er inzwischen mehrfach überarbeitet und neu konzipiert.

„Mit dem Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ war das Projekt für mich eigentlich abgeschlossen“, sagt Arndt. Dann sei aber der Schüler Sebastian Staiger auf ihn zugekommen und habe sich dafür eingesetzt das Projekt als Arbeitsgemeinschaft fortzuführen.

Für die ausführliche Internetpräsentation der Seismik-AG war ebenfalls ein Schüler verantwortlich. Sie wurde von Martin Jansen erstellt, immer wieder ergänzt und inzwischen auch völlig neu konzipiert. Dort erfährt man, warum ein Seismogramm ein „Bericht von einer Reise durch das Erdinnere“ ist und kann allgemeine Informationen zum Aufbau eines Horizontal-Seismographen und zur Signalverarbeitung nachlesen.

In der Folgezeit machte die Seismik-AG immer wieder auf sich aufmerksam. Einer der Höhepunkte war die Einladung des Geoforschungszentrums in Potsdam, die Arbeit und die Ziele der Arbeitsgemeinschaft im Hebst 2001 auf einer internationalen Tagung für Geophysik in Hanoi in Vietnam vorzustellen. Außerdem hielten die Mitglieder der AG Vorträge vor Referendaren von Physik-Bezirksseminaren in NRW.

Schulen in Baden-Württemberg, Bayern und NRW bauten den Lehrseismographen nach den Monschauer Pläne nach. Im Jahr 2002 präsentierte die AG ihre Arbeit bei „Physics on Stage 2002“ in Noordwijk in den Niederlanden. Es folgten weitere Vorträge an Universitäten, an renommierten Instituten und auf Fachtagungen. Zuletzt war die AG auf der 74. Jahrestagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft an der Universität Karlsruhe durch die Schüler Felix Hoff und Fabio Krämer vertreten.

„Die Seismik-AG ist ein Aushängeschild unserer Schule. Auf Konferenzen weit über den Regierungsbezirk hinaus werde ich immer wieder darauf angesprochen“, sagte Schulleiter Dr. Bernd Gotzen am Donnerstag.

Auch im Ruhestand kommt Ulrich Arndt nicht los von der Physik. In den Ferien wird er Marc Zöller dabei helfen, die Station neu einzustellen. Außerdem hat Arndt einen Lehrauftrag an der RWTH Aachen angenommen. Dort führt er Physik-Lehramtsstudenten in den Aufbau von Unterrichtsexperimenten ein.

(Eifeler Zeitung 30.04.2015)




St.-Michael-Gymnasium Monschau

Sekretariat
Walter-Scheibler-Str. 51
52156 Monschau

Tel.: 02472 80010-0
Fax: 02472 80010-30

 

Copyright © 2024 St.-Michael-Gymnasium Monschau | Impressum | Sitemap | Druckversion nach oben