Ukrainische Schülerinnen und Schüler am MGM

15. April 2022

Die Schülerinnen und Schüler dieser Klassen erwarten schon gespannt den ersten Schultag ihrer neuen Klassenkameraden. Sie haben schon verabredet, wer Maksym und Zlata zu den unterschiedlichen Unterrichtsräumen bringt, wer ihnen erklärt, wie man den Vertretungsplan liest, und wer ihnen in den ersten Tagen hilft, im Schulbus an der richtigen Haltestelle auszusteigen.

In den älteren Klassen ist man schon weniger aufgeregt. „Das kennen wir schon! In den letzten Jahren hatten wir einen Schüler aus Mauretanien und einen aus Mazedonien bei uns in der Klasse. Am Anfang ist es immer schwer, aber mit der Zeit lernt man sich besser kennen und auch die Verständigung klappt besser“, erzählt Philipp aus der Jahrgangsstufe 9.

Darauf hofft man auch am MGM. Die neue Herausforderung liegt in der großen Anzahl an Schülerinnen und Schülern, die alle aus dem gleichen Land kommen und die gleiche Sprache sprechen.

40 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 11 und 16 Jahren aus 13 Nationen besuchen zurzeit die zwei Sprachfördergruppen am MGM. 20 davon kommen aus der Ukraine. Das Konzept der Sprachfördergruppe sieht zwei Schwerpunkte vor – den möglichst schnellen Erwerb der deutschen Sprache und die Integration in die Regelklasse. Aus diesem Grund wird jedes Kind einer Regelklasse zugewiesen, die seiner Altersgruppe entspricht. Für 12 bis 15 Stunden pro Woche treffen sich die Sprachanfänger in einem gemeinsamen Unterrichtsraum und lernen mit extra ausgebildeten DaZ-Lehrkräften (DaZ = Deutsch als Zweitsprache) und am Computer Deutsch.

Die Stimmung im Klassenraum ist gut. Es wird viel gemeinsam gearbeitet und gelacht. Unterrichtssprache ist von Anfang an Deutsch. Zwar müssen manchmal Abbildungen oder auch schon mal ein Wörterbuch helfen, aber Ziel ist es, den Sprachanfängern die Scheu vor dem Sprechen zu nehmen und sie möglichst schnell zu befähigen, sich in deutscher Sprache zu verständigen.

Diese Fähigkeit benötigen sie auch, da sie die restlichen 15 bis 18 Unterrichtsstunden mit ihrer Regelklasse im regulären deutschen Unterricht verbringen und sich auch hier möglichst bald in den Unterricht einbringen sollen.

Maksym hat inzwischen seine erste Woche in einer deutschen Schule erfolgreich absolviert. Munter fragt er seinen neuen Freund, der in der gleichen Straße wohnt: „Sister von Mama kommt Auto. Du mit?“ – nach einer Woche Deutschunterricht sicher ein guter Erfolg.

Im Schulverband Nordeifel werden die ukrainischen Schülerinnen und Schüler inzwischen zwischen der Sekundarschule in Simmerath, der Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau und dem St.-Michael-Gymnasium, ebenfalls in Monschau, aufgeteilt, da eine Schule alleine die große Menge an schulpflichtigen ukrainischen Kindern und Jugendlichen nicht aufnehmen kann.

Mit der Anmeldung des Wohnsitzes sind alle Kinder und Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres schulpflichtig und werden durch das Schulamt der Städteregion Aachen den Schulen zugewiesen. Kinder, die jünger als elf Jahre sind, werden meist einer Grundschule zugewiesen, und solche, die 16 Jahre und älter sind, einem Berufskolleg.

Besonders bei älteren Schülerinnen und Schülern sorgt die deutsche Schulpflicht teilweise für Probleme. Die ukrainischen Schulen haben einen gut organisierten und strukturierten Online-Unterricht aufgebaut, der besonders in der Übergangszeit bis zur Aufnahme an einer deutschen Schule sehr hilfreich sein kann. Die älteren Schülerinnen und Schüler fürchten aber, dass sie Zugangsberechtigungen zu Abschlussprüfungen verpassen, wenn sie wegen des Schulbesuchs in Deutschland nicht regelmäßig am Online-Unterricht teilnehmen können. Anna aus Kiew erklärt in sehr gutem Englisch, dass sie eigentlich im Sommer ihren Schulabschluss gemacht hätte. Nun weiß sie nicht, wann das möglich sein wird. Sie sorgt sich, dass sie bei einer Rückkehr in die Ukraine eventuell ohne Schulabschluss sein könnte.

Den zwölfjährigen Ihor quälen ganz andere Sorgen. Seine Großmutter wollte nicht mit nach Deutschland kommen und lebt nun alleine in Charkiw. Er hat Angst, dass er sie vielleicht nicht wiedersehen wird.

Um solche Sorgen und Nöte kümmert sich an der Sekundarschule Nordeifel und am St.-Michael-Gymnasium die Schulsozialarbeiterin Gertrudis Lüning-Koch. Mit viel Ruhe und Verständnis hört sie den Kindern und Jugendlichen zu, gibt Tipps und Ratschläge – mal in Deutsch, mal in Englisch und manchmal mit Gesten – und organisiert Angebote, die über den Schulalltag hinausgehen. In diesen Arbeitsgemeinschaften treffen deutsche Regelschüler und die Schüler der Sprachfördergruppen zusammen, lernen miteinander und voneinander und können sich ohne den Leistungsdruck des Unterrichts besser kennenlernen.

Familien im Schulverband Nordeifel, die eine ukrainische Familie mit Kindern aufgenommen haben, sollten die Familienmitglieder zunächst bei der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung anmelden und anschließend Kontakt zum Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion aufnehmen. Die Kinder werden über das Schulamt einer Schule zugewiesen, die sich dann mit dem Ansprechpartner der Familie in Verbindung setzt und einen Aufnahmetermin vereinbart.

Für die Kinder und Jugendlichen gibt der regelmäßige Schulbesuch wieder mehr Struktur in ihren Alltag und er lenkt sie auch zumindest zeitweise von ihren Sorgen um Familienangehörige, die noch in der Ukraine leben, ab. Sie können neue Kontakte und Freundschaften zu ihren Mitschülern knüpfen und werden nach einigen Wochen in der Lage sein, mit ihren Sprachkenntnissen ihre Eltern bei Behördengängen oder beim Arzt zu unterstützen.

(Hinweis: Die Namen aller Kinder sind geändert.)

Alexandra Stein




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