Vom Indischen Ozean nach Monschau

08. Juli 2019

Herr Mussard, Sie sind jetzt schon seit ein paar Wochen am St.-Michael-Gymnasium Monschau, aber viele kennen Sie noch nicht. Erzählen Sie doch etwas über sich und Ihr Leben.

Dylan Mussard: Ich komme aus La Réunion und lerne Deutsch, seit ich elf Jahre alt bin. Eigentlich wollte ich Spanisch in der Schule lernen, aber durch einen Zufall war ich gezwungen, Deutsch zu wählen. Das hat sich im Nachhinein als positiv für mein weiteres Leben herausgestellt. Mit 14 bin ich mit einem Austauschprogramm des Gymnasiums in meiner Heimatstadt das erste Mal nach Deutschland gekommen. Dabei habe ich in München mein erstes deutsches Bier getrunken, das mein ganzes Leben verändert hat (lacht). Weil es mir dort so gut gefallen hat, bin ich mit weiteren Austauschprogrammen wieder nach Deutschland gekommen.

Nach den Austauschprogrammen haben Sie nun also vor, länger in Deutschland zu bleiben?

Dylan Mussard: Richtig. Ich habe bereits mein Staatsexamen in Deutsch geschrieben und werde demnächst meine mündliche Prüfung in Lyon absolvieren. Zurzeit bin ich noch hier, um das Schulsystem etwas besser kennenzulernen und meine deutsche Sprache aufzuwerten.

Und warum haben Sie sich entschieden, dies in Monschau in der Eifel zu tun?

Dylan Mussard: Ich war schon dreimal zuvor hier und fand es sehr schön. Ich habe einen Freund aus Monschau, bei dem ich wohnen kann und habe hier eine schöne, ruhige Atmosphäre empfunden, um mich gut auf die anstehende Prüfung vorzubereiten.

Dann sind Sie nun eine längere Zeit hier in Deutschland und in Frankreich. Ist es schwer für Sie, diese langen Strecken auf sich zu nehmen und sich von Ihrer Familie zu trennen?

Dylan Mussard: Natürlich. Es waren damals generell meine ersten Reisen, als ich nach Deutschland kam, denn es ist sehr schwer zu verreisen, wenn man auf La Réunion lebt. Es ist sehr teuer, aber ich hatte immer diese Lust dazu gespürt. Außerdem konnte ich damals die deutsche Sprache noch nicht sprechen und musste mich ganz auf meinen Austauschpartner verlassen. Auch heute ist es schwer, so lange von meiner Familie getrennt zu sein. Ich vermisse sie, aber ich habe mich daran gewöhnt. Im Dezember kommen sie mich in Deutschland besuchen. Das ist unglaublich toll, denn sie sind dann das erste Mal hier.

Was sind denn ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen La Réunion und Deutschland?

Dylan Mussard: Allgemein ist die Kultur sehr verschieden. Auf La Réunion mischen sich alle Kulturen: Christen, Muslime, Inder, etc. Das Zusammenleben dort ist wirklich einzigartig. Man hat eine Kirche, und daneben sind eine Synagoge und ein Tempel zu sehen, was es in Deutschland nicht so direkt gibt. Auch die Landschaft ist ganz anders, wenn man am Strand lebt und es über 30 Grad warm ist. Aber Deutschland gefällt mir auch sehr gut, obwohl es so verschieden ist.

Wie hatten sie sich Deutschland vorgestellt, bevor sie das erste Mal nach hier kamen? Und haben sich die Vorstellungen bewahrheitet?

Dylan Mussard: Einige Klischees hat man natürlich aus Filmen oder schon in der Schule gelernt, zum Beispiel, wenn wir im Deutschunterricht Hörverstehen gemacht haben. Manche stimmen sogar ein bisschen, beispielsweise, dass die Deutschen laut sprechen. Natürlich kann man das nicht auf alle übertragen. Aber auch, dass die Deutschen sorgfältig planen, habe ich selbst miterlebt, als deutsche Erasmus-Studenten nach La Réunion kamen und alles durchgeplant hatten. Ich bin eher das Gegenteil, improvisiere gern und bin spontan.

Und wie ist das Schulsystem auf La Réunion?

Dylan Mussard: Das Schulsystem ist genau wie in Frankreich. Die Schüler sind bis 17 Uhr in der Schule, haben aber eine große Mittagspause, in der sie eine warme Mahlzeit bekommen. Ich habe noch nicht verstanden, warum die Schüler hier keine große Pause haben mit einer warmen Mahlzeit. Sie haben hier teilweise neun Stunden durchgehend Unterricht. Dabei ist Essen doch so wichtig.

Im Juni endet ihre Zeit hier am St.-Michael-Gymnasium. Wie geht es dann weiter für Sie?

Dylan Mussard: Zuerst bin ich für eine Woche in Berlin bei einem Seminar als Vorbereitung für meine Arbeit ab September in Düsseldorf. Im Juli fliege ich dann nach Lyon, wo ich meine mündliche Prüfung habe. Nach dieser Woche bin ich einen Monat in Düsseldorf für Sommersprachkurse. Im August habe ich dann mal nichts, und ab September arbeite ich in Düsseldorf für die Botschaft und gehe in die Schulen, um den Schülern Französisch näher zu bringen.

Haben Sie schon Pläne für Ihre weitere Zukunft? Vielleicht noch weiter die Welt entdecken?

Dylan Mussard: Nach diesem Jahr habe ich noch nichts geplant – ich bin ja eher spontan. Ehrlich gesagt habe ich noch gar nicht richtig darüber nachgedacht, denn ich habe mich vor allem auf die anstehenden Prüfungen und Programme vorbereitet. Aber Lust zu reisen hat man natürlich immer. Auf jeden Fall werde ich mein Referendariat an meiner Universität in La Réunion beginnen, um meine schulische Karriere abzuschließen und dann im Beruf als Lehrer arbeiten zu können.

Wo würden Sie dann am liebsten unterrichten?

Dylan Mussard: Leider hat man keine Wahl. Am liebsten würde ich natürlich auf meiner Insel bleiben und dort den Schülern Deutsch beibringen. Ich finde, das ist sehr wichtig, vor allem so weit von Europa entfernt. Aber La Réunion ist sehr gefragt bei den französischen Lehrern, weil es natürlich sehr schön dort ist. Die neuen Lehrer, die gerade ihr Referendariat beendet haben, müssen eigentlich immer nach Frankreich. Nach mindestens drei bis vier Jahren kann ich dann vielleicht zurück nach La Réunion, um dort meinen Beruf auszuüben. Es ist ein bisschen schade, nicht direkt in der Heimat unterrichten zu können, aber es ist in Ordnung für mich. Ich habe schon ein Jahr in Montpellier in Frankreich gelebt und viele Städte kennengelernt, so dass ich mich schon ein bisschen auskenne.

Wie werden Sie wohl als Lehrer sein?

Dylan Mussard: Ich glaube, ich werde ein entspannter Lehrer sein, natürlich mit einem gewissen Maß an Autorität. Ich hatte tolle Deutschlehrer, die mir viel beigebracht haben. Meine Leidenschaft für den Lehrerberuf kommt auch ein bisschen von der Dankbarkeit zu all den Lehrern, die mir den Spaß an der deutschen Sprache gegeben haben. Alles, was ich über Deutschland weiß, über die Kultur, das soll nicht in mir drin bleiben, sondern das möchte ich weitertragen an meine Schüler. Und auch die tollen Möglichkeiten, die es gibt, andere Kulturen kennenzulernen – Austauschprogramme, von denen viele nicht wissen, dass sie existieren – möchte ich bekannter machen.

Vielen Dank für das Interview und viel Glück für die Zukunft.

 

(Eifeler Zeitung 05.07.2019)




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